Zur ServusTV-Sendung „Muslime in Österreich – woran scheitert das Miteinander“

Seit mehreren Tagen fragte das Team vom Talk im Hangar-7 auf ServusTV für die Diskussion „Muslime in Österreich – woran scheitert das Miteinander“ verschiedene Muslim_innen in Österreich als Diskutant_innen an. Der Titel, welcher bereits suggeriert, dass es kein positives Miteinander zwischen Muslim_innen und allen anderen Menschen in Österreich gibt, sollte die Basis für die Diskussionsrunde bilden.

Der problematische Inhalt war eines der Gründe, warum viele Muslim_innen im Vorhinein protestierten und die Teilnahme an dieser Diskussion boykottierten. Denn der Sender suchte für diese Plattform, welches sich als Wahlkampfauftakt erwiesen hat, der sich wieder einmal auf dem Rücken der Muslim_innen abspielt, nur nach Quotenmuslim_innen.

Das Team vom Talk im Hangar-7 hat wie bereits erwähnt bei unterschiedlichen Personen unterschiedliche Anfragen und Anforderungen gestellt. Beispielsweise wurde anfangs der offiziell ausgewählte Vertreter der IGGIÖ trotz Anfrage nicht für die Sendung zugelassen, da bei einem konvertierten Muslim die Ausländerpolemik ja nicht nach Plan funktioniert hätte.

Ebenso war es auch vorhersehbar, dass man versucht diesen Boykottaufruf der Muslime in Österreich als „Integrationsunwilligkeit“ und als Abkehr der Muslime von der Gesellschaft darzustellen, um sich als TV-Sender besser ins Bild zu rücken, statt die eigene Journalismus Arbeit zu reflektieren oder gar in Frage zu stellen. Doch um jeden Preis benötigte man eine Quotenmuslima und ließ daher in letzter Minute noch jemanden aus Deutschland einfliegen. Die Modedesignerin Lebdiri, die aber in der Sendung jedoch als „streng gläubige Muslima“ betitelt wurde.

Die Medienkultur in Österreich muss sich ändern!

Objektivierung und pauschale Verurteilungen bieten keine objektive und  sachliche Diskussionsbasis für die Diskutant_innen, auch nicht für das  Publikum. Wir, als Musliminnen und Muslime, wehren uns vehement, dass man uns für Volksbelustigung oder Wahlkampfzwecke missbraucht. Unser essentieller Kampf für ein friedvolles Zusammenleben in dieser Gesellschaft besteht auch darin, keine polemisierte Hetze zu unterstützen, die versucht die Gesellschaft zu spalten.

Wir fordern von den österreichischen Medien, die ihrem Auftrag der Förderung eines demokratischen und sachlichen Diskurses nachkommen sollten, eine echte Bühne für solch einen vernunftorientierten Dialog auf Augenhöhe.

HC Strache stellt fest, dass die FPÖ schon lange nicht mehr eine Partei des rechten Randes ist, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Wie recht er damit hat, beweist nicht nur das Programm der Großparteien, die zunehmend rechtspopulistische Diskurse aufgreifen, sondern vor allem auch unsere Medienschaffenden, die sich nicht zu schade sind für so ein Programm auch noch Öl ins Feuer zu gießen. Statt zur Versachlichung und Ent-Polemisierung jener Diskurse beizutragen, wie es ihrem Auftrag entsprechen sollte, wird genau das Gegenteil gemacht. Das Ergebnis solch einer Medienpolitik bekamen österreichische Muslime insbesondere zu Beginn des Fastenmonats Ramadan wieder einmal besonders stark zu spüren. Zara alarmierte über das drastische Zunehmen rassistisch-motivierter Übergriffe auf muslimische Mitbürger_innen und der rassistisch-motivierten Beschmierungen muslimischer Institutionen, Moscheen und Bildungseinrichtungen.

Als Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft fordern wir die österreichischen Medienschaffenden dazu auf, sich ihrer Rolle in dem bevorstehenden Wahlkampf bewusst zu werden und ihre Verantwortung ernst zu nehmen. Als österreichische Muslim_innen sehen wir es es demnach als unsere moralische Pflicht an, Formate wie „Talk im Hangar-7“, die einseitige Polemik und die verhetzenden Wahlkampfansagen eine breite Bühne bieten, bewusst zu boykottieren. Wir wollen damit ein klares Zeichen gegen hasserfüllte und populistische Rhetorik setzen. Und hoffen gleichzeitig, dass unser offenes Angebot auf vernünftigen und konstruktiven Dialog im Sinne eines friedvolleren Zusammenlebens in unserer Gesellschaft von den medialen Strukturen und österreichischen Medienschaffenden ernst genommen wird.

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