Warum ich nicht mehr arbeiten kann

Warum ich nicht mehr arbeiten kann
Verbale Übergriffe gegen SchülerInnen und islamophobe Äußerungen von KollegInnen. Wie mein Alltag als islamischer Religionslehrer an einem Gymnasium in Wien aussieht.
ein bericht von Murat Hirsekorn

Teil 1 (Kurzversion)

Teil 1 (Kurzversion)

Warum ich nicht mehr arbeiten kann

Ich arbeite im fünften Jahr als islamischer Religionslehrer an Oberstufenrealgymnasien in Wien. Eigentlich müsste es heißen: „arbeitete“. Warum, das möchte ich Ihnen erzählen: Da ich im Sommer neu an diese Schule kam, stellte ich mich allen Kolleginnen und Kollegen vor. Keine so gute Idee, denn ich traf den Schulpsychologen. Er fragte mich gleich, ob ich der neue islamische Religionslehrer sei. Er müsse unbedingt mit mir reden. Als ich fragte: „Worüber?“ erhielt ich nur die Antwort: „Wegen häuslicher Gewalt.“ Aha, dachte ich. Ich bin aber islamischer Religionslehrer und kein Sozialpädagoge oder Psychologe. Der Hintergrund war wohl der, dass der Stadtschulrat im Sommer die Devise ausgab, SchülerInnen mit radikalen Tendenzen zu melden und bei Muslimen ganz besonders auf häusliche Gewalt zu achten. Klar! Bei Christen würde sowas ja nie vorkommen. Als es sich herumsprach, dass ich der Neue bin, blieben mir unzählige Kommentare nicht erspart. Eine Kollegin sprach mich aus heiterem Himmel darüber an, dass sie gegen das Kopftuch sei, da sie Uniformierungen prinzipiell ablehne. Einmal saß ich am Tisch und aß eine Käsesemmel. Eine andere Kollegin war sich nicht zu schade, mir unaufgefordert einen kleinen Vortrag zu halten, in dem sie das Kopftuch mit dem Hakenkreuz verglich. Weitere Einzelheiten dieser Analogie möchte ich Ihnen ersparen, am Ende hieß es nur knapp: „Brauchen wir beides nicht!“

Nennen Sie mich nun ruhig naiv, aber ich wusste einfach nicht, wie ich damit umgehen soll. Also sagte ich erst mal nichts. Die Wochen vergingen und ich wurde von KollegInnen auf SchülerInnen angesprochen, ob nicht doch jemand radikale Ansichten hätte. Ich bin zwar islamischer Religionslehrer, aber kein Kulturanthropologe. Egal woher ein/e Schüler/ in auch kommen mag, von Marokko über Albanien, Tschetschenien bis nach Afghanistan – Immer werde ich gefragt: „Was ist mit ihm, mit ihr los?“ Keine Ahnung! Meine lieben KollegInnen: Ihr kennt diese Menschen länger und besser als ich, warum fragt ihr ausgerechnet mich?

Von SchülerInnen
Nun habe ich auch mit den SchülerInnen gesprochen und interessantes erfahren. Eine Kollegin habe eine Schülerin mit Verschleierung als Gespenst bezeichnet. Ein Schüler berichtete mir, dass ein Lehrer in die Klasse kam und ihnen anbot, einen Witz zu erzählen. Die SchülerInnen waren natürlich begeistert, da dieser Lehrer ansonsten seinen Humor zu Hause vergisst. Der Witz ging so: „Was ist der Unterschied zwischen Juden und Türken? Die Juden haben es schon hinter sich.“ Ein Witz auf der Höhe der Zeit: sowohl interreligiös als auch interkulturell. Ein anderes Mal forderte eine Lehrerin eine Schülerin auf, ihr Kopftuch abzunehmen, weil dieser warm war und sie das Fenster öffnen wollte. Einen Schüler, der einen ägyptischen Hintergrund hat, eröffnete die Lehrerin, dass bei ihnen (also in Ägypten) sowieso 50 Prozent der Frauen verstümmelt seien. Daran ist wohl auch der Schüler schuld. Ich informierte die Schuldirektorin über diese Vorkommnisse. Sie erwähnte das in einer Konferenz, in der ich nicht anwesend war.

Die „Experten“
Das Kopftuch ist immer wieder ein Thema und bestimmte ProfessorInnen sind sich nicht zu schade, dieses Thema ständig anzusprechen. Egal welches Fach sie auch unterrichten. Einmal sprach ich einen dieser Kopftuchexperten an, da es einigen Schülerinnen unangenehm ist, wenn man sie ständig darauf hinweist und sagt, dass es doch keine religiöse Pflicht sei und der Koran dies nicht verlange. Das ist auch so eine Sache: LehrerInnen palavern über Verse im Koran, als hätten sie an der al-Azhar Universität Koran-Exegese studiert. Vielleicht haben sie auch einen Kurs in der Volkshochschule darüber absolviert, da der Islam ja mittlerweile ein topaktuelles Thema ist. Nun antwortete der Lehrer, dass das Kopftuch ja schließlich ein Symbol sei und wer es trage, müsse, vor allem als Schülerin in der Oberstufe, auch in der Lage sein, das zu erklären. Ach so ist das! Ich dachte hier gibt es Religionsfreiheit und Menschen müssten sich nicht ständig rechtfertigen.

Überall Radikale
Ein Lehrer fragte mich, ob ein Schüler radikal sei. Er hatte ihn nach den Attentaten in Paris angesprochen und natürlich auch das Kopftuch wieder thematisiert. Der Schüler gab folgendes von sich: „Wenn im Gazastreifen 2.000 Palästinenser sterben gibt es keine Solidaritätsbekundung und es gibt auch Musliminnen die freiwillig die Burka tragen.“ Über diese Aussage lässt sich sicherlich diskutieren, aber er ist doch nicht radikal aufgrund dieser Bemerkung. Als ich später im Konferenzzimmer mit einer Kollegin und einem Kollegen allein war, wurde wieder die angebliche Aussage eines Schülers zum Thema. Keiner von uns hatte es persönlich gehört. Egal, aus dem Kollegen brach heraus, was sich angestaut hatte: „Diese gewaltverherrlichenden Stellen im Koran… wir wissen ja nicht, was in den Schülern vorgeht… sie werden in Moscheen radikalisiert.“ Der Hass, mit dem er das vortrug, erschreckte mich. Die Kollegin setzte nahtlos fort: „Ja, und da gibt es eine Moschee am Westbahnhof… Dort gibt es einen Mann mit Bart und Kappe, der ist bestimmt Salafist…“ Also ich selbst kannte diese Moschee nicht und war verwundert, woher sie ihre detaillierten Kenntnisse hatte. Könnte sie überhaupt zwischen einem türkischen Sufi, einem Afghanen oder einem Pakistaner unterscheiden?

Auch durfte ich mir eine Erklärung anhören, warum Schweinefleisch im Islam verboten ist. Schweinefleisch hält sich ja nicht lange, die Muslime hatten keine Kühlschränke, usw. Ich dachte, Fisch verdirbt auch recht schnell, ist aber nicht verboten, schon mal darüber nachgedacht? Kein Versatzstück der „Islam-Diskussion“ wurde ausgelassen: Der Islam müsse sich endlich modernisieren und einen Papst bräuchten wir auch. Wir sind also so rückständig, dass man uns das System der katholischen Kirche als fortschrittlich anpreist?

Der Stadtschulrat
Die zuständige Stelle für eine Beschwerde wäre wohl der Stadtschulrat. Doch genau von dort kam die Anweisung, SchülerInnen mit radikalen Tendenzen zu melden. Kurse sollen die Lehrer darüber informieren, was denn überhaupt unter radikal zu verstehen ist. Ein Fachmann schwadronierte über bestimmte Begriffe, die von Radikalen bzw. angehenden Radikalen häufiger ausgesprochen werden: „Inschaallah, Maschaallah, Subhanallah, Astagfirullah“ und „Yani“. Tatsächlich werden die ersten vier Wörter von allen Muslimen verwendet, auch mehrmals täglich. Der letzte Begriff bedeutet so viel wie „also, das bedeutet“ und hat sich in verschiedenen muslimischen, nicht-arabischen Kulturen von der Türkei bis Pakistan durchgesetzt. Würden die LehrerInnen alle SchülerInnen melden, die diese Wörter aussprechen, wären sie wohl selbst bald arbeitslos…

Nun lag im Konferenzzimmer eine Liste für einen Kurs über Extremismus-Prävention aus, in die sich die ProfessorInnen eintragen können. Eine Kollegin hielt mir die Liste unter die Nase: „Hier schau mal, das ist doch was für dich.“ „Nee, ist nichts für mich.“ „Aber du und dein Fach, das passt doch.“ „Ich habe wirklich kein Interesse.“ „Warum blockst du denn bei dem Thema immer so ab?“ Was will sie mir sagen? Meine, also die muslimischen SchülerInnen, sind am ehesten gefährdet? Ich empfinde es aber als verletzend, dass man sie als potentielle Attentäter hinstellt. Ständig muss man sich rechtfertigen. Während niemand zu einem Deutschlehrer gehen und sagen würde: „Schau mal. Du hast doch Germanistik studiert und kennst dich aus mit den Deutschen. Warum hat der NSU die ganzen Ausländer umgebracht? Erklär mir das alles.“ Wenn es Orte gibt, an denen muslimische Jugendliche radikalisiert werden, dann sind das nicht nur Moscheen, sondern auch Schulen. Wenn man jungen Menschen ständig deren Andersartigkeit vorhält, ihnen das Gefühl gibt, nicht dazu zu gehören, dann ist das keine Integration. Anstatt Kurse für Extremismus- Prävention sollten welche gegen Vorurteile über Islam und Muslime angeboten werden.

Die Atmosphäre
Nach den Anschlägen in Paris wurden Karikaturen im Stiegenhaus der Schule aufgehängt. Als eines dieser Bilder herunterfiel, rief der beaufsichtigende Lehrer nicht etwa: „Was ist passiert, ist jemand verletzt?“ sondern: „Wer war das?“. Glaubt er wirklich, dass ein muslimischer Schüler seine Kunstwerke vernichten wollte? Anscheinend ja. Die gesamte Atmosphäre ist so vergiftet, dass ein Lehrer, als SchülerInnen vor der Schule einen Silvesterkracher in einen Mistkübel werfen, nach der Polizei ruft. Er glaubt, sie hätten das wegen der Karikaturen, die in der Schule aushängen, getan. Paranoia?

Ich sage nicht, dass alle KollegInnenan dieser Schule so sind. Aber auch soempfand ich es schlimm genug. Mir tutes vor allem um die SchülerInnen leid,die solche Erfahrungen machen müssen.Und ich bitte alle um Verzeihung, fallsich ihnen Unrecht angetan haben sollte. As-SalamuAlaykum.

PS: All das hat mich so stark belastet,dass ich momentan im Krankenstandbin. Um genau zu sein, handelt es sichum eine Belastungsreaktion mit begleitendenBurnout-Elementen und Panikattacken.Danke!

Teil 2 (Vollversion)
Vorgeschichte
Zu Beginn dieses kleinen Aufsatzes lohnt es sich, erst einmal die Rahmenbedingungen vorzustellen. Mein Name ist Murat Kemal Hirsekorn, ich bin 38 Jahre alt und arbeite in Wien als islamischer Religionslehrer in einem Oberstufenrealgymnasium. Verzeihen Sie bitte den Fehler. Es müsste heißen: „und arbeitete“. Nun stellt sich vielleicht die Frage, warum ein Mensch der doch als Lehrer arbeitet, dazu noch als Religionslehrer, diesen überaus lukrativen Job nicht mehr ausüben kann. Dies soll im Folgenden erklärt werden:

Ich bin es überdrüssig mir tagtäglich etwas anzuhören über den Islam, das Kopftuch, radikale SchülerInnen, Migranten usw. Natürlich kann man nun sagen: „Stell dich mal nicht so an!“ Aber ich stelle mich so an, da mich die aktuellen Zustände in Politik, das Vorgehen des Stadtschulrates, die Passivität der IGGiÖ und die überflüssigen Kommentare einiger LehrerInnen, doch recht belasten.

Beispiele
Es fing schon gleich in der ersten Schulwoche im September an. Am ersten Schultag musste ich mir gleich bei der Eröffnungskonferenz etwas anhören über Islamisten (?) die junge Muslime bereits vor der Schule anwerben. Dies nenne ich recht ambitioniert, ganz davon abgesehen, dass es sich hierbei um totalen Blödsinn handelt, denn ich glaube nicht, dass bärtige Männer vor allen Schulen stehen und nach Selbstmordattentätern mit langjähriger Berufserfahrung Ausschau halten. Daran sollten sich mal einige Arbeitgeber ein Beispiel nehmen: die Schüler gleich beim Eingang zur Schule abfangen und in die Arbeit stecken. Aber lassen wir das. Da ich noch neu an der Schule war, stellte ich mich selbstverständlich allen Kolleginnen und Kollegen gleich mal vor. Keine so gute Idee, denn ich traf den Schulpsychologen. Nichts gegen den Mann, aber: als er mich sah, fragte er gleich, ob ich der neue islamische Religionslehrer sei, was ich bejahte. Als nächstes teilte er mir mit, dass er unbedingt mit mir reden müsse. Als ich ganz unschuldig fragte: „Worüber?“. Erhielt ich nur die Antwort: „Wegen häuslicher Gewalt.“ Aha, da bin ich genau der Richtige! Ich dachte ich bin islamischer Religionslehrer und kein Sozialpädagoge oder Psychologe. Dies lag aber daran, dass der Stadtschulrat im Sommer die Devise ausgab, SchülerInnen mit radikalen Tendenzen zu melden und wenn wir schon dabei sind, bei Muslimen ganz besonders auf häusliche Gewalt zu achten. Klar! Das gibt es ja nur bei uns. Christen würden sich sowas ja niemals trauen.

Doch kommen wir nun zu lustigeren Geschichten. Als es sich herumsprach, dass ich der Neue bin, blieben mir unzählige Kommentare der Kolleginnen und Kollegen, die schon lange in ihnen schlummerten, nicht erspart. Eine Kollegin sprach mich aus heiterem Himmel darüber an, dass sie gegen das Kopftuch sei, da sie Uniformierungen prinzipiell ablehne. Interessant! Ich muss mich hier outen und zugeben, dass ich gegen Frösche bin, da ich Amphibien prinzipiell nicht leiden kann. Dies drücke ich aber nicht gleich jedem Biologielehrer auf die Backe, da dieser mich ansonsten gleich zum Psycho erklärt. Aber ich bin ja ein geduldiger Mensch! Einmal saß ich am Tisch und aß eine Käsesemmel. Eine andere Kollegin war sich nicht zu schade, mir, natürlich ganz unaufgefordert, einen kleinen Vortrag zu halten, in dem sie das Kopftuch mit dem Hakenkreuz verglich. Ja, meine Damen und Herren sie hören recht. Doch ich möchte Ihnen hier überflüssige Einzelheiten dieser Analogie ersparen, denn am Ende hieß es nur kurz: „Brauchen wir beides nicht!“.

Nennen Sie mich nun ruhig naiv, aber ich wusste einfach nicht, wie ich damit umgehen soll. Also sagte ich erst mal nichts. Die Wochen vergingen und ich wurde von KollegInnen auf SchülerInnen angesprochen, ob sie nicht doch eventuell radikale Ansichten hätten. Hier muss ich mal einen kleinen Exkurs starten: ja, es stimmt ich bin islamischer Religionslehrer. Aber kein Kultur- und Sozialanthropologe für den muslimischen Kulturraum. Egal woher ein Schüler oder eine Schülerin auch kommen mag, von Marokko über Albanien, Tschetschenien bis nach Afghanistan: immer werde ich gefragt: „Was ist mit ihm/ihr?“. Keine Ahnung! Meine lieben KollegInnen: Ihr kennt diese Menschen länger und besser als ich, warum fragt ihr mich überhaupt? Des Weiteren erwartet man doch nicht wirklich von mir einen Fall zu beurteilen, dem ich nicht beiwohnte und nur aus einer Perspektive erzählt bekomme??? Wie soll das funktionieren und überhaupt wie komme ich dazu, mich über Personen in diesem Zusammenhang zu äußern?

Von SchülerInnen
Nun habe ich auch mit den SchülerInnen gesprochen und recht interessante Geschichten von ihnen erfahren. Eine Kollegin habe eine Schülerin mit Verschleierung als Gespenst bezeichnet. Sehr nett, vor allem von einer Person, die sofort in der Serie „The Walking Dead“ mitspielen könnte und zwar ungeschminkt. Doch ich weiß, dass kann ich hier nicht sagen. Stimmt. Daher möchte ich mich gleich bei der Arbeitgebervertretung der Zombies entschuldigen: „Sorry“. Aber den wird man lieben: ein Schüler berichtete mir, dass ein Lehrer in die Klasse kam und ihnen Anbot einen Witz zu erzählen. Die SchülerInnen waren natürlich begeistert, da dieser Lehrer ansonsten seinen Humor immer zu Hause vergisst. Aber ich möchte Sie nicht länger auf die Folter spannen meine Damen und Herren hier kommt er: „Was ist der Unterschied zwischen Juden und Türken?“. „Stop! Halt!“ Werden jetzt einige rufen. Das geht nun wirklich nicht. Doch, geht. Ich möchte Ihnen nicht vorenthalten von welchen Vorzeigepädagogen unsere SchülerInnen unterrichtet werden. Die Antwort lautet: „Die Juden haben es schon hinter sich.“ Ein Witz auf der Höhe der Zeit: sowohl interreligiös als auch interkulturell.
Eine weitere Lehrerin forderte eine Schülerin auf, ihr Kopftuch abzunehmen, da ihr warm war und sie das Fenster öffnen wollte. Auch sprach die besagte Professorin einen Schüler, der einen ägyptischen Hintergrund hat, darauf an, dass bei ihnen (also in Ägypten) sowieso 50% der Frauen verstümmelt seien. Daran ist sicher der Schüler schuld.

Die „Experten“
Das Kopftuch ist immer wieder ein Thema und bestimmte ProfessorInnen sind nicht zu faul, dieses Thema ständig anzusprechen (Egal welches Fach sie auch unterrichten muss hier hinzugefügt werden). Einmal sprach ich einen dieser Kopftuchexperten an, da es einigen Schülerinnen unangenehm ist, wenn man sie ständig darauf anspricht und sagt, dass es doch keine religiöse Pflicht sei und der Koran dies nicht verlange. Dies ist auch so eine Sache: LehrerInnen palavern über Verse im Koran, als hätten sie an der al-Azhar Universität in Kairo Koran-Exegese studiert. Vielleicht haben sie auch einen Kurs in der Volkshochschule darüber absolviert, da der Islam ja mittlerweile ein topaktuelles Thema ist. Nun antwortete der Lehrer, dass das Kopftuch ja schließlich ein Symbol sei und wer es trage, müsse, vor allem als Schülerin in der Oberstufe, auch in der Lage sein, dies zu erklären. Ach so ist das! Ich dachte hier gibt es die Religionsfreiheit und Menschen könnten glauben an was sie wollten und müssten sich nicht ständig rechtfertigen. Aber das ist wohl mein Fehler und ich muss mich nochmal darüber schlau machen.

Radikale
Kommen wir nun zum elementarsten Thema: radikale SchülerInnen. Hier sollte nur noch einmal zur zusätzlichen Information erwähnt werden, dass es sich hier sicher nicht um linken und rechten Extremismus handelt, sondern um islamistischen Extremismus. Ein Lehrer fragte mich ob ein Schüler radikal sei, da er, angesprochen nach den Attentaten in Paris, bei dem natürlich wieder das Kopftuch genannt wurde, folgendes von sich gab: „Wenn im Gazastreifen 2.000 Palästinenser sterben gibt es keine Solidaritätsbekundung und es gibt auch Musliminnen die freiwillig die Burka tragen.“ Über diese Aussage lässt sich sicher diskutieren, aber er ist doch nicht radikal auf Grund dieser Bemerkung.

Mittlerweile hatte ich schon genug von all dem, doch Gott erbarmte sich meiner noch nicht, aber er wird schon wissen, warum er mich damit prüft. Der entscheidende Vorfall ereignete sich im Konferenzzimmer, als ich mit einer Kollegin und einem Kollegen allein war. Wieder soll ein Schüler irgendetwas gesagt haben, wobei jedoch keiner von uns anwesend war während dieser Aussage und niemand genau wusste, was er denn von sich gegeben haben soll. Aber zu spät, aus dem Kollegen brach es heraus. Wie ein Abklatsch vom Rumpelstilzchen fing er an alles was sich in ihm angestaut hatte von sich zu geben. „Diese gewaltverherrlichenden Stellen im Koran … wir wissen ja nicht, was in den Schülern vorgeht … sie werden in Moscheen radikalisiert.“ Und dies trug er mit einem Hass vor, der mich erschreckte. Gleich danach setzte die Kollegin an: „Ja und da gibt es ja eine Moschee am Westbahnhof …“ also ich kannte diese Moschee nicht und war verwundert, warum sie über so detaillierte Kenntnisse über die Moscheenlandschaft in Wien verfügt. Miss Marple für Arme? Dort gebe es einen Mann mit Bart und Kappe, der sei bestimmt Salafist. Könnte auch ein türkischer Sufi, ein Afghane oder ein Pakistaner gewesen sein, aber wem erzähle ich das. Wir sind doch eh alle gleich.

Aber hier kommt es zu blanken Vorurteilen, die man allen Minderheiten vorwirft: rückständig, faul, laut, schmutzig, nutzen das Sozialsystem aus, klauen unsere Jobs, sind kriminell, Frauen werden unterdrückt usw. Auch durfte ich mir anhören, warum Schweinefleisch verboten ist. Die alte Leier: „Schweinefleisch hält sich nicht lange, sie hatten keine Kühlschränke, … bla bla bla.“ Fisch verdirbt auch recht schnell ist aber nicht verboten, schon mal darüber nachgedacht? Wohl nicht. Auch müsse sich der Islam endlich mal modernisieren und einen Papst bräuchten wir auch, der dann ganz bestimmte Verbote doch endlich legalisiere. Interessante Ansicht. Wir sind also so rückständig, dass man uns das System der katholischen Kirche als fortschrittlich anpreist? Und wozu einen Papst? Wie wäre es mit einem Kalifen? Entschuldigung, den gibt es ja schon beim IS, aber wir wollen diesem Lehrer ja nicht vorwerfen, dass er Werbung für sie macht.

Stadtschulrat/Präventions-Kurse
Die zuständige Stelle wäre wohl der Stadtschulrat um eine Beschwerde einzureichen, doch genau von hier kam ja die Anweisung SchülerInnen mit radikalen Tendenzen zu melden. Irgendwann ist man dann doch darauf gekommen, dass man die LehrerInnen und ProfessorInnen darüber informiert, was oder wer denn nun radikal ist. Also bietet man Kurse an und organisiert Informationsveranstaltungen. Einen grünen Daumen bei der Auswahl von Experten haben die zuständigen Personen im Stadtschulrat jedoch nicht. Da schwafelt dann ein Fachmann etwas über bestimmte Begriffe, die von Radikalen bzw. angehenden Radikalen häufiger ausgesprochen werden. Diese sind: „Inschaallah, Maschaallah, Subhanallah, Astagfirullah“ und „Yani“. Die ersten vier sind Wörter, die von allen Muslimen verwendet werden, auch mehrmals täglich. Das letzte Wort bedeutet so viel wie „also, das bedeutet“ und hat sich in verschiedenen muslimischen nicht arabischsprachigen Kulturen durchgesetzt von der Türkei bis Pakistan. Nun ergibt sich doch daraus eine völlige Fehlinformation für LehrerInnen, denn wenn sie alle SchülerInnen, die diese Wörter aussprechen melden, dürften sie bald selbst arbeitslos werden, da irgendwann keine muslimischen SchülerInnen mehr in der Schule sind.

Nun lag im Konferenzzimmer eine Liste für einen Kurs über Extremismus-Prävention aus, in die sich die ProfessorInnen eintragen können. Eine Kollegin war so freundlich und hat an mich gedacht. Sie hielt mir die Liste unter die Nase mit den Worten: „Hier schau mal, das ist doch was für dich.“ „Nee, ist nichts für mich.“ „Aber du und dein Fach, das passt doch.“ „Ich habe wirklich kein Interesse.“ „Warum blockst du denn bei dem Thema immer so ab?“ „Weil ich es nicht für notwendig halte an so einem Kurs teilzunehmen.“ Was will sie damit sagen? Meine (also die muslimischen SchülerInnen) sind am ehesten gefährdet? Glaube ich nicht, denn ich kenne sie ja. Mittlerweile haben sich so viele Kolleginnen und Kollegen eingetragen, dass die Tabelle auf der ersten Seite bereits voll ist und auf der Rückseite weitere Eintragungen erfolgen. Dies empfinde ich als beleidigend, verletzend, unverschämt und als Frechheit. Meine Schüler? Das sind alles super Menschen und wer sich in die Liste einträgt wegen dieser Schüler tut ihnen schweres Unrecht an. Denn warum sollten sie sonst einen solchen Kurs besuchen? Wollen sie Spione werden? Nein, es geht um die SchülerInnen an der Schule und ich lasse nicht zu, dass man sie als potentielle Attentäter ansieht.

Glaubensgemeinschaft
Auch bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich könnte ich mich beschweren. Aber haben sie nicht einen Kollegen einfach im Stich gelassen? (Einen?) Dieser besagte Kollege war bei der Veranstaltung des Stadtschulrates mit dem „Yani“-Vortrag (Übrigens eine Kollegin heißt so. Hoffen wir, dass sie nicht gemeldet wird) der sich als Problem für ihn erweisen sollte. Es kam zu einer Diskussion und als Folge darf er keine VWA’s mehr betreuen und der Landesschulinspektor hat ihm einige Themen für die Maturaprüfung gestrichen. Aber man muss nun wirklich Verständnis für den Landesschulinspektor haben, denn die Themen waren sehr radikal „der Koran“ und „Allah der Schöpfer“. Als der Kollege nun in der Glaubensgemeinschaft nachfragte, wie er denn nun agieren solle, teilte man ihm mit, dass er den Anweisungen folgen solle, da man momentan ja nun einmal keinen so guten Stand habe. Da wird das Wort „Kirchenaustritt“ doch immer attraktiver.

Migranten
Doch das Problem ist nicht nur der Islam, sondern auch die Herkunft, die Kultur und Traditionen der SchülerInnen werden nicht selten missbraucht von einigen LehrerInnen. Wenn ein Schüler aus Tschetschenien laut wird gegenüber einer Lehrerin, so liegt dies bestimmt an seiner Herkunft, da man dort ja Frauen nun mal nicht so gut behandle. Dies ist nicht etwa aus der Zeitung geklaut, da gewissen Politiker (Voves, Kurz, …) derzeit dieses Beispiel erwähnen. Auch dies durfte ich noch erleben. Danke. Wohl der neueste Stand der Bildungsforschung: interkulturelle Pädagogik. Sollte nun ein autochtoner österreichischer Schüler dasselbe tun, eine Lehrerin anschreien, so glaube ich nicht, dass es dann heißt: „Ja, immer diese Kärntner, die sind immer so.“ Eher wird man sagen, dass er unverschämt sei. Mit uns kann man es ja machen.

Ständig wird man auf Taten bestimmter Muslime angesprochen und muss sich dann auch noch dafür rechtfertigen. Doch niemand geht zu einem Deutschlehrer und sagt: „Schau mal. Du hast doch Germanistik studiert und kennst dich aus mit den Deutschen und ihren Gepflogenheiten. Warum hat der NSU die ganzen Ausländer umgebracht? Kannst Du das alles erklären?“. Dies macht man nicht, weil man eben keine Verbindung sieht. Aber wir Muslime werden aufgefordert uns zu Allem zu äußern. Ganz nebenbei wissen wohl die Meisten kaum, worum es sich beim NSU handelt.

Wenn es Orte gibt, in denen muslimische Jugendliche radikalisiert werden, dann heißen diese Orte nicht nur Moscheen, sondern auch Schulen. Und Personen die für die Radikalisierung zuständig sind heißen nicht immer Imame, sondern auch Lehrer. Wenn man jungen Menschen ständig deren Andersartigkeit vorhält, ihnen das Gefühl gibt nicht dazu zu gehören und sie sich immer Rechtfertigen müssen, dann stimmt etwas nicht. Alle sprechen von Integration, doch dies geschieht leider nicht. Anstatt irgendwelche Extremismus-Präventions-Kurse anzubieten um junge muslimische SchülerInnen grundlos zu verdächtigen, sollten Kurse angeboten werden für erwachsene österreichische LehrerInnen um ihnen deren unbegründete Vorurteile vor dem Islam und den Muslimen zu nehmen. (Und vor Asylanten, Flüchtlingen, Einwanderern, Männern mit Bärten, …)

Atmosphäre
Nach den Anschlägen in Paris wurden Karikaturen im Stiegenhaus der Schule aufgehängt. Als ich nach dem Kauf einer Käsesemmel wieder zurück in die Schule kam, fiel eines dieser Bilder herunter. Ich biss in meine Semmel und ging ganz langsam die Treppen hoch, da es sicher keinen guten Eindruck macht, wenn ich zufällig neben dem Bild stehe welches am Boden liegt und von jemandem gesehen werde. Doch der Lehrer der dies beaufsichtigte rief nicht etwa: „Was ist passiert?“ oder „Ist jemand verletzt?“, sondern: „Wer war das?“. Glaubt er wirklich, dass ein muslimischer Schüler seine Kunstwerke vernichtet? Anscheinend ja. Die gesamte Atmosphäre ist so stark vergiftet, dass ein Lehrer,nach der Explosion eines Silvesterkrachers durch SchülerInnen in einem Mistkübel vor der Schule, in die Administration rennt und nach der Polizei ruft. Seiner Ansicht nach hätten sie das getan wegen der Karikaturen, die in der Schule aushängen. Paranoia?

Wie haben mich diese Vorfälle verändert?

  • All dies hat mich ziemlich belastet, da ich es nie für möglich gehalten hätte, dass man so viel islamophoben Mist einfach so mir nichts dir nichts über die Lippen bringt
  • Wenn ich in die U-Bahn oder Straßenbahn steige und eine Frau mit Kopftuch sehe, stelle ich mich zu ihr, damit ich einem Übergriff zuvorkommen kann
  • Ich esse weniger Käsesemmeln

Wenn klage ich an?

  • Politik
  • Stadtschulrat
  • Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich
  • Einige Kolleginnen und Kollegen

Zum Abschluss etwas Religiosität
Am Ende soll nun auch mal zur Abwechslung etwas Religiöses folgen. Ich bin mir im Klaren darüber, dass eine religiöse Argumentation nicht gerne gesehen wird, vor allem nicht, wenn sie von einem Muslim kommt. Aber genau darum mache ich es auch. Menschen können ihr Handeln immer religiös rechtfertigen, genau so, wie man auch mich religiös kritisieren kann für meine derzeitige Haltung. Dennoch möchte ich hier meinen Standpunkt vortragen, auch wenn er einigen zu schmalzig sein sollte. Wenn ich eines Tages vor Gott stehe und er mich fragt, was denn da los war und was ich dagegen unternommen habe, möchte ich nicht herumlabern von Verantwortung gegenüber dem Arbeitgeber und der Gemeinschaft und ich bräuchte ja das Geld und es sei schließlich überall so. Denn wenn er mich fragt, wie ich es zulassen konnte, dass die jungen Menschen auf Grund ihrer Herkunft und Religion fertig gemacht wurden, werde ich sagen: „Ich konnte es nicht mehr ertragen, es war alles zu viel für mich.“ Wenn es mir auch an Kraft mangelt, anders zu reagieren, so habe ich dennoch genug Würde um mich zumindest davon zu distanzieren.

Schluss
Ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht, in der Schule würde man jeden Morgen die Reichskriegsflagge hissen und die SchülerInnen müssten zum Fahnenappell erscheinen. Dem ist nicht so und das habe ich auch nie behauptet. Aber auch so ist es für mich schon schlimm genug. Ich habe keine Probleme mit allen Kolleginnen und Kollegen. Die Mehrheit interessiert sich nicht dafür, oder spricht mich nicht darauf an. Vereinzelt kommt es zu Fragen über gewisse religiöse Praktiken, womit ich auch keine Schwierigkeiten habe. Aber ich habe keine Lust darauf mit den persönlichen Ängsten und Sorgen einiger KollegInnen (die völlig unbegründet sind) belastet zu werden. Ja, es tut mir vor allem um die SchülerInnen leid, besonders um diejenigen, die in diesem Jahr maturieren möchten. Ich kann einfach nicht mehr. Ich kann es nicht mehr ertragen. Hiermit bitte ich alle SchülerInnen um Verzeihung und falls ich ihnen Unrecht angetan haben sollte, so tut es mir leid und alle bösen Worte ihrerseits sind selbstverständlich vergeben und vergessen.

As-SalamuAlaykum

PS: Um noch einmal zurückzukommen auf den Titel. All dies hat mich so stark belastet, dass ich momentan im Krankenstand bin. Um genau zu sein handelt es sich um eine Belastungsreaktion mit begleitenden Burnout-Elementen und Panikattacken. Danke!

MO – MAGAZIN FÜR MENSCHENRECHTE #38
FEINDBILD ISLAM
Muslime in Österreich unter Druck.

 

Link –> http://www.sosmitmensch.at/site/momagazin/alleausgaben/mo38

14 Kommentare

  1. Liebster Murat, Esselamu alejkum!

    Heute Morgen hat mich eine ganz liebe Kollegin, die evangelische Religion unterrichtet, auf deinen Bericht aufmerksam gemacht. Ich habe deinen Bericht ganz aufmerksam gelesen und wurde von Zeile zu Zeile immer trauriger. Dein Bericht hat mich sehr betroffen gemacht, vor allem weil ich dich noch aus der Studienzeit kenne und mit ganz festem Gewissen sagen kann, dass du ein sehr verantwortungswürdiger, gewissensvoller und emphatischer Mensch bist. Umso mehr macht es mich betroffen, dass dich die ganze “ terroristische“ Situation seit September belastet hat und du unzureichende Unterstützung bekommen hast. Gleichzeitig denke ich, dass sich die ganze Schulathmosphäre für uns IslamlehrerInnen bereits vor Jahren zugeschnürt hat. Irgendetwas lag schon längst in der Luft – nur undefinierbar. Bis heute ist mir selbst nicht klar, was es wirklich ist. Die Transparenz fehlt mir hier – und das von allen Seiten.

    Von daher schätze ich sehr deinen Mut und dein Engagement. Du bist sicherlich nicht der einzige Islamlehrer, der von der IGGiÖ/Politik/Schule/Stadtschulrat im Stich gelassen wurde und von daher, denke ich, dass du viele Menschen hast, die hinter dir stehen. Mich hast du jedenfalls auf der Unterstützerseite – und das ist keine Anweisung von „oben“. Was kann man tun, lieber Murat? Wie kann ich dich konkret unterstützen? Bitte lass es mich wissen.

    Ich möchte, dass du weißt, dass dein Bericht nicht für die Katz‘ ist und dass er von unbändigen Mut zeugt. Ich verneige mich, Murat, vor deiner kraftvollen Menschlichkeit. Von Herzen wünsche ich dir viel Gottes Kraft, Seinen Segen und viel Liebe von Menschen, die in deiner unmittelbaren Nähe sind. Ich werde dich in meinen Gebeten einschließen.

    Besonders zum Schluss, wo du erwähnst, dass du eines Tages vor Gott mit reinem Gewissen herantreten möchtest, macht für mich klar, warum du diesen Schritt gewählt hast. Vielen Dank für deine Offenheit und Transparenz.

    Mit herzlichen Grüßen
    Maida Causevic

  2. As salamu aleykum Bruder, mir gings auch nicht anders… man kommt aber erst drauf, dass es einem zuviel ist, wenn man am Ende steht. Ich bin sogar während dem Unterricht zusammengebrochen.
    Diagnose: Angststörung und Panikattacken 🙁

  3. Salam alaikom Herr.Professor Hirsekorn
    Es ist echt traurig zu hören das es ihnen nicht gut geht.Es hat sich leider nicht viel verändert seitdem Sie weg sind.
    Wir alle vermissen Sie wirklich sehr.
    LG.6D
    Salam alaikom

  4. Sehr geehrter Herr Hirsekorn!
    Ihr Bericht über die Erfahrungen an einem Wiener Gymnasium hat mich sehr betroffen gemacht und ich möchte Ihnen sagen, wie sehr es mir leid tut. Ich bin erschrocken, wie wenig verwurzelt die Grundwerte unserer Verfassung, die Menschenrechte oder auch die christlichen Grundwerte in uns sind. (Ich selber bin Protestantin.) Ich denke, dass wir als Gesellschaft derzeit in einer Krise stecken und dass es Menschen braucht, die „Mut haben“ (ich zitiere einen sehr lieben muslimischen Bekannten). Ich wünschte, wir alle hätten den Mut , in einen Dialog einzutreten, eigene Vorurteile zu überdenken und uns trotz mancher Unterschiede auf die Gemeinsamkeiten zu besinnen. Ich vertraue darauf, dass es immer mehr Menschen wagen werden, solidarisch zu sein für Religions- und Meinungsfreiheit, gegen Gewalt in jeder Form und für Dialog. Es gibt keine Alternative!
    Ihnen wünsche ich, dass Sie genesen und die Erfahrung machen, dass es um Sie – auch in der U-Bahn – viele Menschen gibt, die „mit Ihnen“ sind.
    Von Herzen
    pego

  5. Ich hoffe inständig, dass Murats mutiger Schritt in die Öffentlichkeit auch andere ReligionslehrerInnen darin bestärken wird, die Missstände offenzulegen. Es kann nicht sein, dass muslimische SchülerInnen und LehrerInnen an zahlreichen Schulen Wiens mehr oder weniger offen gemobbt werden und dass ReligionslehrerInnen zum Stillhalten mittels Kündigungsdrohungen und ähnlichem gezwungen werden. Dem opportunistischem, unverantwortlichem und lahmen Schulamt muss ebenso wie islamophoben HetzerInnen im Stadtschulrat Einhalt geboten werden.

  6. Wir brauchen keine „Deradikalisierungsprogramme“ für Volksschulen. Wir brauchen Sensibilisierungsprogramme für alle Lehrer.

    • Mich würden nähere Infos interessieren, wie diese Sensibilisierungsprogramme aussehen würden. Gibt es dazu etwas in Planung – was wäre beizutragen? Was wird konkret gebraucht?

  7. salam Murat,
    Dich hätte ich gerne in einer besseren Situation wiedermal kontaktiert. Meine vollkommene Unterstützung hast du, denn ich alles sehr attentiv gelesen habe und mich betroffen gefühlt habe, nun mit einem Unterschied in dem ich super Direktorinen habe und unter einem unterstützendem Kollegium arbeite, aber die Attaken habe ich von meiner Fachinspektorin, hört sich traurig an, wiso und warum weiß keiner und ehrlich gesagt irgendwann a mal wirst erschöpft in allen Richtungen kämpfen zu müssen.
    Wenn du von innen bekämpft wirst( du weißt was ich meine) Glaube mir der Rest ist nur a Semmelbrösel.
    Alles alles gute lieber Murat
    Inchallah vom reinen Herzens findest deinen passenden Weg.
    Salam.

  8. Herr Hirsekorn. Mögen Sie genesen und der Mission friedlichen Zusammenlebens wieder zuträglich werden. Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf eine Abstraktionsebene gelangen, die die innere Distanz in emotional anspruchsvollen Situationen ermöglicht. Kontemplation mittels Philosophie, Politikwissenschaft und Soziologischer Theorie empfehle ich aus eigener Erfahrung.

  9. Herr Hirsekorn. Sie sind auch nur ein Mensch. Wie ich, wie alle anderen.
    Ich würde auch gern tagtäglich von Brasilien über Afrika bis Nordkorea alles retten was man retten könnte.
    Aber das ist leider nicht möglich. Dies soll nicht als Resignation verstanden werden. Ich trete einfach ein zwei Schritte zurück, weil ich sehe, dass ich dieser Masse an Idiotie nicht gewachsen bin. Aber dennoch behalte ich es im Auge und verfolge es mit etwas weniger Energie, damit nicht all meine Kraftreserven aufgebraucht werden.

    Auch Sie sind … ich habe es bereits einem sehr guten und in seinen Taten auch sehr engagierten Freund gesagt … Sie sind nur ein Sandkorn in diesem gewaltigen Universum, wenn nicht sogar kleiner. Wie ich und vielen anderen Lebewesen auf diesem Planeten. Als winzig kleiner Sandkorn werden Sie es nicht schaffen alleine gegen ein großes System bzw. Komplex an Missverständnissen anzukommen. Mit diesem Artikel – so denke ich – haben Sie aber einen großen Schritt gesetzt. Sie werden mit diesem weitere Anhänger und Verbündete finden, die Sie unterstützen wollen und werden.

    Ich bin kein Muslim, ich bin kein Lehrer. Aber der psychologische Hintergrund dieses Erlebnisses lässt sich auf viele andere Bereiche des Lebens ummünzen. Von daher wage ich zu behaupten ein wenig zu verstehen wie sie sich fühlen.

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