Im Westen nichts Neues

Ein Recht auf eine Begrüßung mit Handschlag gibt es in Österreich nicht, ein Recht auf eine rassismusfreie Schule schon!

Im Mai dieses Jahres wurde in Vorarlberg ein islamischer Religionslehrer de facto suspendiert, weil er Frauen mit seiner Körperhaltung gegrüßt hat, ohne ihnen die Hand zu geben. Zeitgleich ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen eine Lehrerin, die im Unterricht mit Minderjährigen dieselben verhetzenden Aussagen, wie die dafür verurteilte Susanne Winter getätigt haben soll. Diese Lehrerin wurde nicht suspendiert, nicht einmal vorübergehend.

Schon damals hat der Vertreter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Vorarlberg die geltende Gesetzeslage hierzu zititiert. Der VfGH, die höchste gerichtliche Instanz in Österreich, hat in dieser Angelegenheit bereits entschieden: „Die Entscheidung darüber, ob man zum Gruß die Hand reicht, bleibt dem Einzelnen überlassen.“ Bemerkenswert nur, dass die Islamische Glaubensgemeinschaft den Landesschulrat über österreichisches Recht aufklären muss. In Tirol scheint es nun genauso zu sein. An Tirols Schulen gibt es aber ganz andere, ja echte Probleme. Der Verein TIGRA (Tiroler Gesellschaft für rassismuskritische Arbeit) dokumentiert rassistische Vorfälle, die sich auch an Tirols Schulen abgespielt haben und schreibt dazu im Tiroler Rassismus-Bericht 2014: „Rassistische Vorfälle in Bildungseinrichtungen wiegen besonders schwer, wenn sie junge Menschen treffen. Das Ausbleiben von pädagogischen Interventionen führt ebenfalls zu einer weiteren Verletzung der Kinder und dazu, dass Rassismus im Klassenkollektiv als
Normalität „erlernt“ wird.“

Wir, als Calling for Students Rights, eine NGO, die sich gegen Rassismus und Diskriminierung an der Schule ausspricht und für Kinderrechte einsetzt, fordern den Landesschulrat für Tirol auf, dass nicht die Islam-Lehrerin „sich an die Gegebenheiten halten solle, die in Österreich üblich sind“, sondern der Landesschulrat sich an die gültige österreichische Rechtssprechung hält, und endlich gegen Rassismus und Diskriminierung an Tirols Schulen aktiv wird.

Dr. Sonia Zaafrani
Calling for Students Rights

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