Ednan Aslans Islam -Debatte: Stellungnahme

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Diese Stellungnahme wurde drei Zeitungen angeboten und von allen abgelehnt.

Ednan Aslans Islam -Debatte: Stellungnahme

Kurzbeschreibung: Als Religionspädagogin sehe ich mich in der Verantwortung zu Ednan Aslans Islam-Debatte Stellung zu beziehen

Seit geraumer Zeit beobachte ich Aussagen Ednan Aslans in der Öffentlichkeit und nehme nun dazu Stellung. Als Religionspädagogin liegt mein Interesse bei der Förderung von SchülerInnen zu selbstkritischen, eigenverantwortlichen und konfliktfähigen Mitgliedern unserer Gesellschaft. Dies erfordert Wertschätzung und Vertrauen in die SchülerInnen als Menschen und Lernende und die Gestaltung der Schule als sicheren Raum mit positiver Lernatmosphäre (R. D. Precht, 2013, M.Jäggle (u.a.) 2013).

Bei einer Fortbildung im Jahre 2014 vor ca. 250 DirektorInnen – bei der ich anwesend war – hat Aslan die Verwendung der Begriffe „yani“ (Türk.& Arab.: „Das bedeutet, ich meine…“) und „subhanallah“ (Arab.: „Gepriesen sei Allah!“) als Hinweise für „Radikalisierung“ beschrieben. Diese Aussagen haben viele Lehrende nicht nur verwirrt, sondern auch beunruhigt und im gehaltenen Kontext vor allem Jugendliche unter Generalverdacht gestellt.

Kritisches Denken und lebenslanges Lernen sind Grundsätze im Islam, die in einem qualitätsvollen Unterricht trainiert und bewusst gemacht werden und sollen auch auf den Islam angewandt werden. Laut Endan Aslan ist „…alles, was der IS macht (…) theologisch richtig und kommt in allen Grundwerken des Islam vor“ (Die Presse, 26.09.2014). Ich grenze mich von diesen Aussagen ausdrücklich ab. Als Österreicherin und Muslimin finde ich mich in Aslans Islambild und „Gewalttheologie“ in keinster Weise wieder. Das ist nicht die Religion, die ich und viele andere praktizieren.

Der Islam ist eine Weltreligion mit einer Geschichte, die zu verstehen ist und aus der zu lernen ist (Thomas Bauer, 2013). Bücher über den Islam füllen Bibliotheken und die Forschung in der Religion muss auch heute intensiv weitergeführt werden. Nach Aslans Aussage: „…wie man Leute köpft, ertränkt oder verbrennt. (…) Es steht in unseren Büchern“ (Falter, 51/15), stellt sich die Frage welche Bücher er liest, auf qualitative hochwertige, auf Quellen fundierte Literatur weist dies nicht hin. Literatur, die solche verbrecherischen Instruktionen gibt, ist den meisten MuslimInnen, so wie mir unbekannt, und von keiner Relevanz, außer in strafrechtlicher Hinsicht.

Um einen innermuslimischen Diskurs zu ermöglichen – und den brauchen wir ganz bestimmt – bedarf es vorurteilsfreier Räume und einer sachlichen Diskussionskultur. Gerade diese werden durch pauschalisierende Aussagen und einem Islamverständnis als Gewalttheologie gehemmt. Im gleichen Interview spricht Aslan auf eine Art, die weder für einen Uniprofessor noch in einer ernsthaften Debatte passend ist und für Frauen entwürdigend ist, wie folgende Aussage beispielsweise „…als mich eine Studienkollegin von hinten umarmte und ich ihren Busen spürte (…) was für ein schönes Gefühl…“. mit denen Aslan seine Befreiung aus einer erzkonservativen Erziehung beschreibt (Falter, 51/15).

Last but not least: Aus wissenschaftlicher Sicht, zum Beispiel von Professor Susanne Heine, ist nun mehrfach festgestellt worden, dass Aslans „Kindergarten-Studie“ nicht repräsentativ oder aussagekräftig ist. Zusätzlich handelt es sich dabei offensichtlich um einen von der Politik bezahlten Auftrag, der die Wissenschaft in den Dienst der Politik stellt. Hier drängt sich die Frage auf, ob nicht die Einrichtungen vorverurteilt wurden (Die Presse, 26.09.2014).

Naheliegend ist, dass viele Kindergärten aufgrund der bereits davor getätigten Aussagen Aslans (Die Presse, 26.09.2014) kein Vertrauen in ihn hatten und zu einer Kooperation nicht bereit waren. Wenn Institutionen beforscht werden, so geschieht dies, um eine Entwicklung zu bewirken und nicht um sie zu kontrollieren und die Ergebnisse medial auszuwerten. Als Staatsbürgerin sehe ich Aufgaben in diesem Land, die bewältigt werden wollen und die nur in gemeinsamer Anstrengung umgesetzt werden können.
Unter anderem muss der soziale Frieden in Österreich, der keine Selbstverständlichkeit ist, gepflegt werden. Unreflektierte, verallgemeinernde Äußerungen über eine Religion unter dem Deckmantel der Kritik oder gar der Wissenschaft, die in der Gesellschaft Ängste schüren oder diese bestätigen, polarisieren unnötig und hemmen den Entwicklungsprozess. Ein pluralistisches friedliches Österreich kann nur durch qualitätsvolle Forschung, durch Gleichwertigkeit und Wertschätzung geprägt sein. Der einzige Kampf, der geführt werden muss, ist der für eine Kultur der Anerkennung, Gleichberechtigung, Menschenrechte und für den Frieden.

Dr. Ursula Kowanda-Yassin lehrt in der Religionspädagogik in der Aus- und Weiterbildung. Sie engagiert sich im interreligiösen und interkulturellen Dialog und beschäftigt sich mit Schulentwicklung und Konfliktlösung in der Schule.

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